Jónas Blondal

Drucken
Jens F. Ehrenreich
48 Seiten, SC, 29 x 22 cm, vf, Altersempfehlung: ab 12
ISBN 978-3-932578-41-0
Verkaufspreis10,00 €
Beschreibung

Island im Jahre 1894. Am 13. Juli geht Jónas Blondal zusammen mit seinem Vater Ivar an Bord der „Eiríkur Rauò i“.
Erstmals mit der rauen Wirklichkeit des Walfangs konfrontiert, wandeln sich Begeisterung und Abenteuerlust des Zwölfjährigen schon bald in Nachdenklichkeit und Mitleid mit den wehrlosen Geschöpfen …
Mehr Informationen auf
www.jonas-blondal.de




Ausgezeichnet mit dem Max und Moritz-Preis 2006 als bester Comic für Kinder.

Dieser Comic ist anders. Das beginnt schon damit, dass das Album mit dem lapidaren Satz "Dies ist eine Geschichte ohne Happy End." anfängt. Was folgt, ist eine eindringlich erzählte Geschichte, die im Walfang-Milieu des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt. Trotz aller Tragik des Themas und Dramatik der Geschichte bleibt die Erzählung eigentümlich ruhig, still, gefasst und verzichtet auf vordergründige Effekte. Das gelingt zum einen durch die besondere Art des Erzählens, die eher eine Aneinanderreihung von Momenten denn eine "Geschichte im Fluss" ist. Zum anderen auch durch den klaren, schnörkellosen, an Kinderbuch-Illustrationen erinnernden Zeichenstil, in dem die ca. 300 Einzelbilder "gemalt" wurden. Mehr als bei Comics sonst üblich kann hier jedes einzelne Panel als eigenes, kleines Gemälde verstanden werden - und wurde vom Urheber auch so behandelt, was die fast 10jährige Produktionszeit erklärt.
Comics haben den 1971 geborenen Jens Ehrenreich als Kind und Jugendlichen nicht interessiert, was wohl dazu beigetragen hat, dass er vergleichsweise unbelastet eigene Wege zur Geschichten-Umsetzung in Comicform entwickeln konnte. Sein Erstlingswerk kann dabei vollkommen überzeugen, obwohl, nein, vermutlich gerade weil die Geschichte von herkömmlichen Sehgewohnheiten formal wie inhaltlich abweicht. Eben anders ist. Aber gut... - Die den Comic begleitende Webseite www.jonas-blondal.de dient der Vertiefung des Gelesenen und seines Walfang-Themas. So finden sich hier auch Details und Informationen im Zusammenhang mit der Geschichte, die in dieser gar nicht vorkommen. So werden z.B. handelnde Personen im Web namentlich vorgestellt, die im Comic anonym geblieben sind.
(ZACK)

Hätte eine Geschichte über den Walfang ein Happy End, sie wäre heute keine gute Geschichte mehr. Und sie würde auch gegen die Tradition verstoßen, denn schon in Herman Melvilles MOBY DICK versinkt die Pequod mit Mann und Maus. An die monumentalen Aspekte dieses Walfang-Epos, welches der ganzen Welt den Spiegel vorhält, will JÓNAS BLONDAL, das Debütalbum von Jens F. Ehrenreich nicht heranreichen - da ist einem sicherlich mit der Lektüre von Jens Harders LEVIATHAN besser gedient -, sondern will statt dessen eine kleine, persönliche Geschichte erzählen...
Ehrenreichs Geschichte hat keinen Erzähler, sie zeigt kommentarlos die Ereignisse und lässt sie das Abschlachten der Wale selbst verurteilen, durch die Abscheu und die Wut in Jónass Gesicht und durch die wenigen und nur so noch erträglichen Bilder vom Tod. Es sind die Bilder, die diese kleine Geschichte groß machen, denn sie stellen dem winzigen Menschen wirkungsvoll die riesigen, geheimnisvollen Wesen der Tiefe gegenüber. Diese malt Ehrenreich in wunderschönem Blau, auf wortlosen Seiten, die zum Genießen einladen. Überhaupt beeindrucken die Farben in jedem einzelnen Bild - extrem reduziert in der Nacht, durchbrochen vom Licht einer Lampe, strahlend auf hoher See bei Tag. Und immer wieder der einsame Walfänger im Wind, klein gegen den Horizont. Die einfachen Figuren erinnern ein wenig an die eines Kinderbuchs, aber was sich auf ihren Gesichtern abzeichnet, macht sie erwachsen. Mit dem edel gestalteten Band JÓNAS BLONDAL legt Epsilon seine erste Eigenproduktion vor und kann gleich einen äußerst gelungenen Einstand feiern.
(COMIXENE)

In der für die ernste Thematik ungewöhnlichen Form eines Comics hat der Autor ein Stück Walfanggeschichte eingefangen. In meisterhaften Bildern, die den Betrachter schnell gefangen nehmen, erzählt Ehrenreich die Geschichte des 12jährigen Isländers Jónas Blondal.
Die im Jahre 1894 angesiedelten Ereignisse beginnen mit der Trauerfeier für Jónas Bruder Grímur. Vater Ivar zeigt sich von dem Verlust wenig beeindruckt und verkündet, Jónas im Juli mit auf den Walfang nehmen zu wollen. Der Junge ist von dem vor ihm liegenden Abenteuer begeistert. An Bord des Walfängers „Eiríkur Rauò i“ weicht diese Begeisterung schnell der Ernüchterung. Der als Schiffsjunge angeheuerte Jónas leidet unter der Rohheit der Mannschaft. Die blutige Brutalität des Walfangs erfüllt ihn mit Entsetzen. Zutrauen faßt er lediglich zu dem jungen Buckelwal Finn, dessen Mutter die Walfänger getötet haben. In ernster Gefahr soll Finn zum Retter für Jónas werden, so wie einst sein biblischer Namenspaton durch einen Wal gerettet wurde. Doch solange Menschen die Wale jagen, gibt es keine Erlösung. Wie vom Autor angekündigt, bleibt die Geschichte von Jónas Blondal ohne Happy End.
Wale sind an den Küsten Islands während des Mittelalters in sehr eingeschränktem Umfang Opfer primitiver Jagdmethoden geworden. Der Walfang mit Schaluppen und Harpunen nach baskischem Vorbild hat sich hier indes nie etablieren können. Die im 18. und 19. Jahrhundert versuchte Gründung von Fanggesellschaften, wie sie um diese Zeit in vielen deutschen Häfen bestanden, blieb durchweg erfolglos. Neben der vielfach beklagten Unerfahrenheit der Isländer war hierfür der Mangel an geeigneter Jagdbeute ursächlich. Opfer der Jagd mit Handharpunen waren die langsam schwimmenden und im Tode nicht untersinkenden Glattwale. Diese waren im 18. Jahrhundert im Nordatlantik bereits so stark reduziert, daß ein Fang um Island nicht mehr lohnte.
Im Jahre 1894, in dem Ehrenreich seine Geschichte ansiedelt, hatte sich das Bild grundlegend gewandelt. In der Zeit von 1864-68 hatte der Norweger Svend Foyn eine Fangmethode entwickelt, die nun auch die bisher verschont gebliebenen Furchenwale zur Beute der Walfänger machte. Der Einsatz schneller Dampfboote, der Abschuß von Granatharpunen aus Kanonen und das Aufblasen der getöteten Wale mit Preßluft gestatteten es, die schnellen Schwimmer zu töten und zu bergen. Zunächst an der norwegischen Küste (Finnmark) etabliert, hat sich die neue Methode durch norwegische Fanggesellschaften rasch nach Island, auf die Färöer sowie nach Neufundland und Labrador ausgebreitet, bevor schließlich ein Gemetzel ohne Beispiel unter den Walbeständen der Antarktis begann.
Ehrenreich erzählt seine Geschichte also vor einem realen Hintergrund. Das Walfangschiff, die „Eiríkur Rauò i“ gleicht nun eher einem schottischen Dampfsegler, mit denen im fraglichen Zeitraum der Walfang etwa von Peterhead aus betrieben wurde, als den kleinen, schnellen norwegischen Booten, die vor Island von Landstationen aus zum Einsatz kamen. Diese kleine historische Ungenauigkeit schmälert den Wert des Werks indes nicht. Mit beeindruckenden Bildern ist es Ehrenreich gelungen, die ganze Abscheulichkeit des Walfangs in einer leicht faßbaren Form darzustellen. In einer Zeit, in der gerade auch die Isländer sich wieder anschicken, Walfang in großem Maßstab zu betreiben, ist seinem Werk eine weite Verbreitung zu wünschen.
(cetacea)

In meisterhaften Bildern, die den Betrachter schnell gefangen nehmen, erzählt Jens F. Ehrenreich die Geschichte des 12jährigen Jónas Blondal, der zum 1. Mal mit seinem Vater auf Walfang fährt.
(ekz)

Ein bemerkenswertes Debüt eines deutschen Zeichners mit einem markanten, individuellen Zeichenstil, auch wenn die Gesichter manchmal etwas hölzern wirken. Die dramatische Story zeigt Konsequenz und man spürt, wie intensiv Ehrenreich dafür recherchiert hat.
(Aschaffenburger Stadtmagazin)

In schönen, schwermütigen Bildern wird diese bewegende Geschichte aus der Perspektive des Jungen erzählt. Der Zeichner erzielt durch starke Verräumlichung und vollplastisch wirkende Figuren eine starke Suggestionskraft und Verlebendigung der Szenen. Die Dramatik des Geschehens und der hohe ästhetische Gehalt der Erzählweise werden den Leser und Betrachter dieses bemerkenswerten Comics fesseln.
(Buchprofile)

Ivar Blondal ist ein Mann seiner Zeit. Für ihn ist der Walfang so natürlich wie der Tod seiner Kinder - Unglücke geschehen ... warum sollte das bei den Menschen anders sein. Ehrenreich selbst sieht in dieser Passage eine Schlüsselszene. Er möchte uns erzählen, daß die Familie Blondal mitsamt ihrer Vergangenheit und Zukunft für etwas weit Größeres steht. Symbolhaft soll ihre persönliche Geschichte eine Art Gleichnis darstellen: Durch mangelndes Verantwortungsbewusstsein (und den Walfang selbst) gerät das Leben ihres letzten Kindes - und damit der Erhalt ihrer Familie - in Gefahr. In gleicher Weise bedrohen Unvernunft und Sorglosigkeit bis heute den Fortbestand der Walpopulationen.
Sicherlich, die Erzählung ist nicht authentisch. Doch sie könnte es sein - oder gewissermaßen noch werden. Sollten manche Staaten auch weiterhin an ihrer Entscheidung festhalten, internationale Walfangverbote zu ignorieren, könnte die Zeit kommen, in der uns nur noch Bilder an die faszinierenden Wale, die Giganten der Meere, erinnern werden ...
Wer ausführlicher über die Geschichte von Jónas Blondal nachlesen möchte kann das tun unter: http://www.jonas-blondal.de/de/ge.html.
Dazu kommt, dass Ehrenreich für "Jónas Blondal" den Max und Moritz Preis 2006 für den besten Comic für Kinder bekommen hat.
Wer mit Herrn Ehrenreich in Erlangen sprechen konnte war überrascht, dass dieser Comic sein erstes Werk überhaupt ist. In mancher Hinsicht wirkt "Jónas Blondal" vielleicht etwas zu pathetisch, überladen und malerisch. Insgesamt ist es aber ein wirklich gutes Jugendbuch - und in dieser Hinsicht ein echte Empfehlung. Für den eingefleischten Comic-Fan, der eher Krimi, Abendteuer und Fantasy sucht, ist er allemal eine Abwechslung.
Hut ab vor Mark O. Fischer, daß er in diesen Zeiten den Mut hat, ein solches Buch zu veröffentlichen.
Fazit: Ein sehr gutes Jugendbuch mit einer Message.
(splashcomics)

Auch wenn die Hauptperson der zwölfjährige Jonas ist, so ist die Handlung, die im 19. Jahrhundert auf einem Walfänger spielt, durchaus für Erwachsene interessant.
Trotz der ungewöhnlichen Grafik auf jeden Fall reinlesen und sich überzeugen lassen von einem besonderen Stück Comic-Kunst.
(Comics & mehr)

 

Kundenrezensionen

Es gibt noch keine Rezensionen für dieses Produkt.