(gelesen im Jahr 2004) Leo schafft es, durch intensive Bilder und einer ausgefeilten Dramaturgie ein ganzes Geflecht von Schicksalsschlägen so
erschütternd und unausweichlich, so gnadenlos realistisch darzustellen, daß man sogar beim Lesen erschöpft zusammenbrechen könnte und man beim
Portrait Alexas nicht nur die Verzweiflung sieht, sondern sie auch fühlt. Dabei springt Kim fortan in Unterwäsche herum, was man hübsch finden
kann, auf jeden Fall wirkt es überzeugend. Ich begrüße auch Freizügigkeit in jeder Hinsicht, trotzdem finde ich es hier zu ungewöhnlich, schon
allein, weil die Erotik deplaziert scheint, wenn Kim während eines gnadenlosen Überlebenskampfes fast betörend ihren Po in den Blick streckt. Man
darf ja nicht vergessen, Leo hätte etliche andere Möglichkeiten gehabt, die Handlung oder zumindest einzelne Bilder anders zu zeichnen, aber er
wählte ausgerechnet diese. Deswegen habe ich nach wie vor den Eindruck, daß Leo mit solchen Gestaltungselementen einen tieferen Sinn verfolgt!rnEine
Bestätigung scheine ich sogar durch ein Bild zu bekommen, jenes Bild, welches mich seit dem umtreibt: völlig ermattet sagt Kim: "Ich glaube,
die menschliche Rasse hat einen Fehler in sich." Mir wird es immer noch dabei schwindelig! Kennt Leo diesen Fehler? Will er mit Aldebaran und den
Folgezyklen der Welt diesen Fehler präsentieren? Das wäre unbeschreiblich!rnObwohl er nichts davon preisgibt, bietet er einen überwältigenden
Schluß: ein grandioser Handlungsstrang, faszinierende Panorama- und Detailzeichnungen, hinreißende Emotionen, markante Charakterzeichnungen,
fantastische Dialogszenen, in solch intensiven Bildern, daß man die Geschichte fühlen kann! Zum Heulen schön! Leos unglaubliche Kreativität!